Presse

 

Rhein-Neckar-Zeitung vom 9. Feb. 1999

Geld sparen und der Umwelt nutzen

Wiesloch und MLP heizen mit Holzhackschnitzeln

Wiesloch. (oé) Wie kann man Geld sparen und gleichzeitig der Umwelt nutzen? Die Stadt Wiesloch und das Unternehmen MLP machen es vor. Künftig werden das städtische Schulzentrum und die in unmittelbarer Nachbarschaft entstehenden Firmengebäude von einem Biomasse-Heizwerk beheizt, das auf der Basis regenerativer Energien betrieben wird. In der Anlage werden neben einem geringen Anteil Erdgas vor allem Holzhackschnitzel, Grünschnitt und unbehandeltes Holz verfeuert, die aus der näheren Umgebung angefahren werden. Dadurch spart allein die Stadt im Jahr 185000 Mark an Heizkosten. Zugleich wird der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid drastisch reduziert, und zwar um etwa 1800 Tonnen jährlich im Endausbau. Das wären etwa zehn Prozent der Gesamtemission von Wiesloch.

Der Gemeinderat der Weinstadt hat diesem umweltpolitisch zukunftsträchtigen Projekt bereits zugestimmt. Gestern nun wurden die Verträge mit dem Betreiber der Anlage, der Walldorfer Firma „UMWELTSCHUTZ UBP“ unterzeichnet. Demnach übernimmt das Unternehmen die rund drei Millionen Mark Investitionskosten zur Umrüstung der Heizzentrale und zum Bau der Nahwärmeleitungen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Stadt auf 15 Jahre zur Abnahme der Wärmeenergie. Baubeginn ist im April. Bis zum Beginn der Heizperiode im Spätjahr soll die Anlage in Betrieb gehen. Außerdem besteht eine Option, auch die Schulen des Landkreises an das Nahwärmenetz anzuschließen.

Sie liegen unmittelbar neben dem städtischen Schulzentrum. In Wieslochs Gemeinderat wurde eine solche Erweiterung des Projekts als „in höchstem Maße wünschenswert“ bezeichnet.

Das Wieslocher Biomasse-Heizwerk ist mit einer geplanten Kesselleistung von 3,2 Megawatt (im Endausbau mit den Kreisschulen wären es sogar acht Megawatt) eine der größten Anlagen dieser Art in Baden-Württemberg. Die erzeugte Wärmeenergie würde ausreichen, um 800-1000 Wohnungen zu beheizen. Ein ähnliches Projekt hat die Firma UBP bereits auf dem Neuenheimer Feld in Heidelberg realisiert.

Bei der Vertragsunterzeichnung zeigten sich gestern sowohl Wieslochs OB Gustav Bylow und sein erster Bürgermeister Franz Schaidhammer als auch UBP Geschäftsführer Franz Bruckner überzeugt von der Zukunftsfähigkeit des Nahwärme-Projekts, bei dem die Konstellation mit Schulen und großen Büroräumen nahezu ideal ist.

 

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