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Rhein-Neckar-Zeitung vom 4./5. Dez. 1999
Sanierung von Böden beschleunigen
Firma UBP mit Patenten im Umweltschutz-Bereich – Umwelt-Technologie-Zentrum geplant
Walldorf. (kol/red)
Mit geringem technischen Aufwand ist es dem Walldorfer Umweltschutz-Unternehmen UBP gelungen, die Sanierung belasteter Böden sowohl zu beschleunigen als auch die Kosten hierfür zu reduzieren. Geichzeitig bleiben Bauarbeiter und Anwohner von lästigen und gesundheitsgefährdenden Gerüchen verschont. Die Rede ist hier von der jüngsten Erfindung des Firmenchefs Franz Bruckner (Foto:BfK), einer absaugenden Baggerschaufel, die derzeit auf einem verseuchten Bodenareal in Weinheim ihre Bewährungsprobe besteht. Mit diesem inzwischen europaweit patentierten Gerät kann die Sanierung von Böden, die mit leicht flüchtigen Kohlenwasserstoffen belastet sind, preiswerter und kostengünstiger als bisher durchgeführt werden.
Üblicherweise wird hierzu eigens eine luftdichte Halle über dem belasteten Gelände errichtet, um die Umgebungsluft vor den ausgasenden Farbstoffen zu schützen, die bei der Bodenreinigung austreten. Die Bauarbeiter dürfen sich meist nur in Schutzanzügen und Atemmasken bewegen, während der Baggerführer in einer klimatisierten Kabine sitzt und nur gefilterte Luft atmet.
Franz Bruckner entwickelt stattdessen eine spezielle Baggerschaufel, die sich auch zur Umrüstung herkömmlicher Bagger und Radlader eignet. In diese Schaufel wird eine Art Lochblech eingebaut, hinter dem über eine Öffnung und einen angeschlossenen Schlauch die Luft mit einer hydraulischen Pumpe abgesaugt und durch einen Filter gepresst wird. In diesem Filter befindet sich Aktivkohle, an deren Oberfläche sich die Kohlenwasserstoffe leicht anlagern. Bei der Bodensanierung wird das belastete Erdreich zunächst auf ein Gelände gekippt, das zuvor mit einer wasserdichten und gegen Schadstoffe resistenten Folie abgedeckt wurde, und an dessen Boden sich Rohre aus hochporösem Kunststoff befinden.
In Ihnen wird ein gleichmäßiger Unterdruck erzeugt, der wiederum die Luft aus dem aufliegenden Erdreich absaugt. Auch diese Luft wird mit Aktivkohlefiltern gereinigt. Diese Prozedur wird so lange durchgeführt, bis die Schadstoffwerte unter die gesetzlichen Grenzwerte gesunken sind und das gereinigte Erdreich wieder verwendet werden kann. Eine wirksame Idee des Unternehmers, um mit Umweltschutz sogar Geld zu sparen – diese Methode koste ein Zehntel des Üblichen. Franz Bruckner hat auf dem Gebiet der Umwelttechnik schon mehrere Patentvorschläge eingereicht.
Der studierte Diplom-Ingenieur Umwelttechnik beendete sein Studium 1983 an der TU Berlin als einer der ersten Absolventen dieses Fachbereiches. Im Anschluss war er beim Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) in Hannover tätig. Im Laufe der Jahre tauchten gehäuft Meldungen über Grundwasserschäden auf, die durch den Austritt von leicht flüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen entstanden waren. Es wurde nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, und Franz Bruckner beantragte schließlich für seine Entwicklung eines neuen Boden-Luft-Absaug-Verfahrens sein erstes Patent.
1986 wurde er Geschäftsführer der Hannover Umwelttechnik (HUT). Nach deren Verkauf im Frühjahr 1994 gründete er dann die Umweltschutz UBP in Walldorf, da 80% seiner Kunden aus dem Süden Deutschlands kamen. Die Firma hat mittlerweile 16 Mitarbeiter und kann ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Neben seiner Aufgabe als Geschäftsführer ist der in Schatthausen wohnende Franz Bruckner noch in zahlreichen Organisationen ehrenamtlich engagiert, so unter anderem im Umweltausschuss des Deutschen Industrie- und Handelstags (DIHT) und als Sprecher des Arbeitskreises Energie der lokalen Agenda 2000 in Wiesloch. Bei der Firma UBP steht inzwischen schon wieder das nächste große Projekt an.
Nächstes Jahr soll in Wiesloch ein Biomasseheizwerk als Verbund zwischen dem Schulzentrum und der Firma MLP in Betrieb genommen werden, wodurch eine Kohlendioxid-Ersparnis von bis zu 3000 Tonnen erreicht werden kann.
Außerdem hat Bruckner ein ganz großes Projekt in Planung: Auf dem Gelände am großen Stadtäcker westlich des Bahnhofs Wiesloch/Walldorf soll ein Umwelt-Technologie-Zentrum (WWUZ) entstehen (die RNZ berichtete schon kurz auf ihrer Wirtschaftsseite). Rund 60 Millionen Mark ist das geplante Investitionsvolumen. Das WWUZ soll in seiner besonderen Kombination kleinen und mittelständischen Unternehmen und Existenzgründern aus dem Bereich der umweltorientierten Zukunftstechnologien einen gemeinsamen Rahmen für Projektmanagement, Kommunikation und Verwaltung und somit eine gezielte Nutzung von Synergieeffekten bieten.Unter dem Dach einer Aktiengesellschaft sollen sich laut dem Konzept Beratungsfirmen, technische Dienstleister und Hersteller im WWUZ niederlasssen. Es werde darüber hinaus mit Hochschulen, Kommunalpolitikern und Vertretern der Kommunalverwaltung eine intensive Zusammenarbeit angestrebt, heißt es in der Pressemitteilung. Auch würden Wohnungen, Geschäfte und Anbieter von täglich nachgefragten Dienstleistern integriert. Planung und Bau des Komplexes erfolgten nach ökologischen Richtlinien, heißt es.
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